Der Wolf: Er ist eine bekannte Märchenfigur, seine Nachfahren sind in vielen Haushalten zu finden – und mit seiner Rückkehr nach Sachsen polarisiert er immer wieder.
Vor gut 25 Jahren kam der Wolf zurück nach Sachsen. Was mit einem Rudel begann, hat sich heute auf insgesamt 35 ausgeweitet.1 Hinzu kommen zehn Wolfspaare und ein Einzeltier. Erfasst wurden die Zahlen durch ein umfangreiches Monitoring. Doch was ist ein Monitoring genau? Kurz gesagt, handelt es sich dabei um eine wissenschaftliche Datensammlung verschiedener Hinweise aus unterschiedlichsten Bereichen. Das können Pfotenabdrücke, Kot, vom Wolf getötete Wildtiere oder Foto- und Videobeweise sein.2

Anzahl an Wolfsrevieren stagniert erstmals
In Sachsen gibt es aktuell 46 Wolfsterritorien. Im Monitoringjahr mit den meisten Revieren, 2022/23, gab es 48 Territorien. Bis dahin ließ sich im Populationsverlauf ein stetiges Wachstum erkennen.
Im Beobachtungszeitraum 2023/24 sank die Anzahl das erste Mal auf 44. Seitdem kann Sachsen wieder zwei Territorien mehr verzeichnen.3 Im bundesweiten Vergleich hat der Freistaat die drittmeisten Wolfsreviere. Den ersten Platz belegt Niedersachsen mit 63 Stück, dicht gefolgt von Brandenburg mit 60.4 Im gesamten Bundesgebiet sank die Zahl der Wolfsterritorien erstmals. Gab es laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) 2023/24 noch 285, sind es aktuell 276 Gebiete.5

Schutzstatus runtergestuft
Bislang galt der Wolf als „streng geschützt“ – ein klar definierter Begriff des Bundesnaturschutzgesetzes. Er durfte weder getötet noch gefangen oder verletzt werden – auch erhebliche Störungen während der Fortpflanzungszeit fielen unter diese Verbotsregelung.6
Im Mai beschloss das EU-Parlament, den Schutzstatus herabzusetzen – auf „geschützt“. Zwar ist auch in diesem Fall die Tötung, der Fang oder die Zerstörung seines Lebensraums untersagt, aber im Unterschied zum strengen Schutz, sind hier Ausnahmen möglich.7
Was bedeutet das für Deutschland? Jeder europäische Mitgliedstaat kann selbst entscheiden, wie er mit der Herabstufung umgeht – entweder wird sie übernommen oder der strenge Schutz bleibt erhalten. Das Bundeslandwirtschaftsministerium und das Bundesumweltministerium einigten sich Anfang November unter anderem darauf, dass Wölfe im Zuge von Herdenschutzmaßnahmen offiziell getötet werden dürfen, wenn sie an einem Ort in hoher Dichte vorkommen und ihr Bestand auch weiterhin stabil ist.8
In Sachsen unterliegt der Wolf bereits seit 2012 dem Jagdrecht – jedoch ohne festgelegte Jagdzeiten. Das bedeutet, dass er ganzjährig zu verschonen ist.9
Ein Risikofaktor für den Menschen?
Für uns Menschen stellt der Wolf keine Bedrohung dar. Es sind sehr scheue Tiere, die den Kontakt zu uns meiden. Entgegen bekannter Märchenerzählungen, steht der Mensch auch nicht auf dem Speiseplan des Wolfs – nicht einmal mit roter Kopfbedeckung. Das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz konnte in einer umfangreichen Kotanalyse – mit mehr als 3.000 Proben aus der Lausitz – feststellen, dass der Wolf besonders häufig Rehe (47,5 Prozent), Wildschweine (28,5 Prozent) und Rothirsche (15,5 Prozent) verzehrt.10
Wer doch einmal in die Situation gerät und ihm begegnet, sollte auf Empfehlung der Fachstelle Wolf in erster Linie Ruhe bewahren, sich gegebenenfalls groß machen und laut schreien, um das Tier zu verscheuchen.11

- Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (Hg.): Wolfsvorkommen in Sachsen, auf: wolf.sachsen.de (27.11.2025). ↩︎
- Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (Hg.): Monitoring und Forschung, auf: wolf.sachsen.de (27.11.2025). ↩︎
- Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (Hg.): Wolfsvorkommen in Sachsen, auf: wolf.sachsen.de (27.11.2025). ↩︎
- Land & Forst (Hg.): Niedersachsen hat erstmals bundesweit die meisten Wölfe, auf: landundforst.de (17.11.2025). ↩︎
- Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (Hg.): Entwicklung der Territorien seit 2000, auf: dbb-wolf.de (27.11.2025). ↩︎
- Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit: Besonderer und strenger Artenschutz, auf: bundesumweltministerium.de (12.11.2021). ↩︎
- Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (Hg.): EU-Parlament stuft Schutzstatus des Wolfes herab, auf: bmleh.de (8.5.2025). ↩︎
- Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (Hg.): Wolf im Bundesjagdgesetz: Umfassendes Paket zum Schutz von Weidetieren, auf: bmleh.de (07.11.2025). ↩︎
- Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (Hg.): Schutzstatus, auf: dbb-wolf.de (27.11.2025). ↩︎
- Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (Hg.): Lebensweise und Ökologie des Wolfs, auf: wolf.sachsen.de (27.11.2025). ↩︎
- Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (Hg.): Wolf und Mensch – Wie verhalte ich mich richtig?, auf: wolf.sachsen.de (27.11.2025). ↩︎