Ende Januar gründete die AfD in Chemnitz den sächsischen Landesverband der „Generation Deutschland”. Die Führungsfiguren stammen aus der zuvor als rechtsextrem eingestuften Jungen Alternative. Zudem gibt es personelle und ideologische Nähe zu rechtsextremen Netzwerken wie der Identitären Bewegung.
Ende Januar wurde in Chemnitz mit Sprechchören, Fahnen und Transparenten gegen die Gründung der neuen AfD-Jugendorganisation demonstriert. Wie auch in anderen Bundesländern zuvor wurde der Ort der Gründungsveranstaltung vorab geheim gehalten. Eine Gründung wurde jedoch bereits vermutet, da für das letzte Januarwochenende ein „Neujahrsempfang” der rechten ESN-Party (Europe for Sovereign Nations) in Chemnitz geplant war. Am Nachmittag wurde auf genau dieser Veranstaltung tatsächlich der sächsische Landesverband der Generation Deutschland gegründet.
An der vom Bündnis „Chemnitz nazifrei” organisierten Demonstration nahmen etwa 200 bis 300 Menschen teil. Der Protestzug endete am Veranstaltungsort „Arno feiert” auf dem Kaßberg, wo die Gründungsveranstaltung stattfand. Laut der AfD Sachsen nahmen rund 70 Mitglieder an der Veranstaltung teil. Zu den prominenten Gästen zählten der sächsische Europaabgeordnete Siegbert Droese und der sächsische Landtagsabgeordnete André Wendt.
Nach Angaben der AfD Sachsen wurde Lennard Scharpe zum Vorstand gewählt. Der 24-Jährige ist in der AfD bekannt: Er sitzt für die Partei im Stadtrat Bautzen und ist Jugendbeauftragter der AfD Sachsen. Auch in der “Junge Alternative Sachsen” war er bereits Vorsitzender. Seit Ende November ist er außerdem Finanzbeauftragter der Generation Deutschland.
Sympathie mit der Identitären Bewegung
Scharpe bekannte sich bereits öffentlich zu der Identitären Bewegung (IB), die auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD steht. Nach der Gründungsveranstaltung der Generation Deutschland sagte er gegenüber der Tagesschau: “Ich halte es für wichtig, sich mit relevanten Akteuren des politischen Vorfelds der AfD auszutauschen. Zu diesem Vorfeld gehört neben vielen anderen Akteuren die Identitäre Bewegung„.
In Chemnitz hat die IB schon seit einigen Jahren Fuß gefasst. Mit dem Zentrum Chemnitz besitzt die Ortsgruppe die aktuell einzige öffentliche Immobilie der IB in Deutschland. Das Zentrum Chemnitz habe sich als feste Größe innerhalb der Szene etabliert und maßgeblich zur Vernetzung beigetragen, bestätigt auch der Verfassungsschutz. Im Oktober 2025 war mit dem Österreicher Martin Sellner eine Führungsfigur der IB zu Gast. Der Vorsitzende der IB in Deutschland ist der Chemnitzer Vincenzo Richter.

Info:
Die Identitäre Bewegung hat ihre Ursprünge in Frankreich und ist seit 2012 auch in Deutschland verbreitet. Die Identitären vertreten die Theorie des Ethnopluralismus, nach der sich Ethnien nicht nach biologischen, sondern nach kulturellen Kriterien definieren. Sie wollen lokale, regionale und europäische Identitäten bewahren und sehen diese durch die Migrationsbewegung, insbesondere durch Muslime, bedroht. Hinter dieser Entwicklung vermuten sie eine Verschwörung von Medien und politischen Eliten.
Weder der sächsische Landesverband noch die bundesweite „Generation Deutschland” wollen sich von der „IB” distanzieren. Verschiedene Mitglieder, darunter der Vorsitzende Jean-Pascal Hohm, pflegen enge Kontakte zur IB. Er wurde vom Verfassungsschutz Brandenburg bereits als “gesichert rechtsextrem” eingestuft.
Anders sieht es nun wohl der Bundesvorstand der AfD: Wie der Spiegel berichtete, rät dieser seinen Mitgliedern von weiteren Treffen mit dem Identitären Martin Sellner ab. Vor allem Parteichef Tino Chrupalla soll darauf gedrängt und sich auf ein mögliches Verbotsverfahren der Partei bezogen haben. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah erklärte auf X, Sellners Remigrationskonzept sei “höchstrichterlich bestätigt verfassungsfeindlich und macht deshalb jede Partei oder Gruppe zum Objekt staatlicher Repression, die sich nicht abgrenzt”.
Info:
Der Begriff „Remigration” steht für massenhafte Abschiebungen und Verdrängung. Der österreichische Aktivist Sellner propagiert ein sogenanntes „Remigrationskonzept“, das auch deutsche Staatsangehörige mit Migrationsgeschichte erfassen soll, sofern sie aus seiner Perspektive nicht hinreichend „assimiliert“ sind. Nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts verstoßen diese Vorstellungen gegen die im Grundgesetz geschützte Menschenwürde.
Junge Alternative gesichert rechtsextrem
Die Generation Deutschland ist aus der Jungen Alternative (JA) hervorgegangen. Diese wurde bereits 2024 vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft und entsprechend beobachtet. Im März 2025 löste sich die Junge Alternative dann selbst auf, nachdem die AfD beschlossen hatte, eine neue Jugendorganisation zu etablieren, die stärker an die Partei angebunden ist und gemäßigter sein soll.
Auch in mehreren anderen Bundesländern haben sich bereits Landesverbände der neuen AfD-Jugend formiert, darunter in Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Bremen, Berlin und Brandenburg (Stand 9.2.).
Die bundesweite Generation Deutschland wurde im vergangenen November auf einem Kongress im hessischen Gießen gegründet. Die Veranstaltung wurde von massiven Protesten begleitet. Es kam zudem zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und der Polizei.
Grüne fordern Verfassungsschutz zum Handeln auf
Die Grüne Jugend Sachsen warnt indessen vor der Generation Deutschland. Sie sei eine Neuauflage der ehemaligen JA „mit denselben Köpfen, denselben Ideologien und denselben demokratiefeindlichen Zielen“.
„Dass sich mit der ‚Generation Sachsen‘ nun ein weiterer Landesverband im Verborgenen gründet, zeigt einmal mehr, wie aktiv und strategisch die extreme Rechte versucht, junge Menschen zu mobilisieren“, erklärt Ronja Zierold, Sprecherin der Grünen Jugend Sachsen. „Diese Gruppe gibt sich als modern und harmlos aus, steht aber für Ausgrenzung, autoritäres Denken und eine gefährliche Verachtung unserer offenen Gesellschaft.“ Zierold fordert ein schnelles Handeln des Verfassungsschutzes.
“Diese Gruppe gibt sich als modern und harmlos aus, steht aber für Ausgrenzung, autoritäres Denken und eine gefährliche Verachtung unserer offenen Gesellschaft.”
Innenministerium sieht Kontinuität zu Junge Alternative
Auf eine kleine Anfrage der Grünen Abgeordneten Marlene Schönberger erklärte das Bundesinnenministerium zuletzt, dass bei der Generation Deutschland keine Mäßigung zu erkennen sei, wie der SPIEGEL berichtet. Laut dem Schreiben bestehe insbesondere im Bundesvorstand der neuen AfD-Jugend eine weitgehende personelle Kontinuität zur früheren Jungen Alternative. Die Mehrheit der Funktionäre war demnach bereits in der Vorgängerorganisation aktiv.
Auch inhaltlich erkennt das Innenministerium eine Fortführung früherer Positionen. Bei der Gründungsversammlung der „Generation Deutschland” im November in Gießen seien Aussagen gefallen, die als verfassungsfeindlich eingestuft werden könnten. Sie deuteten auf ein ethnisch geprägtes Staatsverständnis hin und enthielten Anhaltspunkte für Forderungen nach einer rechtlichen Benachteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland leben. Zudem wurden Verbindungen zu extremistischen Organisationen und einschlägig bekannten Online-Akteuren dokumentiert.
Nun wird sich zeigen, ob es der Generation Deutschland gelingt, sich einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz zu entziehen oder ob sie ihre ideologischen und personellen Überschneidungen mit der IB weiter vertiefen.
Anmerkung: Der Redaktionsschluss für den Artikel war der 9. Februar. Alle weiteren Entwicklungen konnten in der Recherche nicht berücksichtigt werden.
