Der Landesbeauftragte für Jüdisches Leben in Sachsen hat einen Bericht über die Situation von Jüdinnen und Juden im Freistaat vorgelegt. Das Ergebnis: Antisemitische Übergriffe bleiben ein großes Problem.Viele jüdische Menschen verstecken deshalb ihre Religionszugehörigkeit. Gleichzeitig stehen die Gemeinden vor weiteren Herausforderungen.
Ein jüdischer Bürger diskutiert nach einer Pro-Palästina-Demonstration in Leipzig mit einem Teilnehmer der Demonstration, als ihn ein Unbekannter plötzlich anspuckt. Es ist einer von vielen antisemitischen Vorfällen, denn auch im Jahr 2025 waren Jüdinnen und Juden in Sachsen mit massivem Antisemitismus konfrontiert.
Hunderte antisemitische Vorfälle pro Jahr
Das geht aus einem aktuellen Bericht des Landesbeauftragten für Jüdisches Leben in Sachsen, Thomas Feist (CDU), hervor. Zwar ist die Zahl antisemitischer Vorfälle im Vergleich zu den Vorjahren leicht rückläufig, sie bewegt sich aber nach wie vor auf einem hohen Niveau. Das Landeskriminalamt registrierte im Jahr 2025 insgesamt 222 antisemitische Straftaten. Nur sieben davon endeten für die Täter:innen mit einer Verurteilung – eine „erschreckend” niedrige Zahl, wie es im Bericht heißt: „Das Dunkelfeld bleibt hoch, und jüdisches Leben in Sachsen ist nach wie vor von Alltagsantisemitismus, Bedrohungen und sozialer Isolation geprägt.”
„Jüdisches Leben in Sachsen ist nach wie vor von Alltagsantisemitismus, Bedrohungen und sozialer Isolation geprägt.”
Die zivilgesellschaftliche Meldestelle für Antisemitismus Rias verzeichnete im Jahr 2025 sogar 251 antisemitische Vorfälle. Anders als die Polizeistatistik erfasst sie auch Vorfälle, die keine strafbaren Handlungen darstellen. Dabei seien die Taten – ob strafbar oder nicht – zumeist dem israelbezogenen Antisemitismus zuzurechnen.
Was ist israelbezogener Antisemitismus? Bei dieser Form des Antisemitismus werden klassische antisemitische Stereotype auf den Staat Israel übertragen. So wird Israel etwa das Existenzrecht abgesprochen oder mit Nazi-Deutschland verglichen. Zudem werden Juden und Jüdinnen kollektiv für das Handeln des israelischen Staates verantwortlich gemacht. Mehr dazu erfahrt ihr hier.
„Der Bericht dokumentiert wichtige Fortschritte bei der Förderung jüdischer Kultur und beim Schutz vor Antisemitismus und macht zugleich deutlich, in welchen Bereichen unser gemeinsames Engagement noch verstärkt werden muss“, kommentiert Thomas Feist. Das zeigt auch eine in den Bericht eingeflossene Umfrage: Demnach haben viele jüdische Menschen in Sachsen „im Alltag ein hohes Gefühl der Unsicherheit“ und zeigen ihre Religionszugehörigkeit nicht offen. Positiv bewertet wird hingegen die Zusammenarbeit mit den Behörden, vor allem der Polizei.

Jüdische Gemeinden in Sachsen trotz Herausforderungen stabil
Trotz der Bedrohungslage gibt es in Sachsen stabile jüdische Gemeinden, die ihre religiösen Traditionen und jüdische Identität pflegen. Zudem arbeiten sie mit nicht-jüdischen Vereinen zusammen, um den Dialog zwischen den Religionen zu fördern – eine Arbeit, die beim Abbau von Vorurteilen helfe.
Trotz des aktiven jüdischen Lebens im Freistaat stünden die Gemeinden und Kulturvereine vor einer großen Herausforderung: der Überalterung. Durch die Abwanderung junger Menschen wird die Gemeinschaft in Sachsen zunehmend älter. Die kulturellen und sozialen Angebote der Gemeinden richten sich daher stärker an ältere Mitglieder als an Familien und junge Erwachsene.

Wie kann man künftig jüdisches Leben in Sachsen fördern? Thomas Feist schlägt vor, den Schutz und die Förderung jüdischer Gemeinschaften als Staatsziel in der sächsischen Verfassung zu verankern. In seinem Bericht ermpfiehlt er zudem die Einrichtung eines Verbindungsbüros in Israel, um den Austausch in Wirtschaft und Forschung zu stärken. Auch die Förderung von Bildungs- und Dialogangeboten in Sachsen möchte er weiter ausbauen.