Straßennamen erzählen Geschichte – doch vor allem die von Männern. Nur 56 Straßen in Leipzig erinnern an tatsächlich existierende und historisch bekannte Frauen, während mehr als 1.200 Straßen nach Männern benannt sind.
Straßennamen dienen nicht nur der Orientierung – sie sind auch Teil einer selektiven Erinnerungskultur und Stadtgeschichte. In der Vergangenheit wurden Straßen und Orte häufig nach politisch, kulturell oder historisch bedeutenden Persönlichkeiten benannt. So erinnert beispielsweise der Augustusplatz an Friedrich August I. von Sachsen, während die Robert-Schumann-Straße dem gleichnamigen Komponisten gewidmet ist. Die Herrmann-Liebmann-Straße erinnert an den kommunistischen Widerstandskämpfer.
Doch fällt dabei auf: All diese Namen sind männlich. Eine Recherche des Vereins „Stadt.Raum.Gestalten“ zeigt, dass weibliche Persönlichkeiten im Leipziger Straßenbild deutlich unterrepräsentiert sind.
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Weitere InformationenDer größte Anteil der Leipziger Straßen ist allerdings nicht nach Personen benannt, sondern beispielsweise nach Orten, Pflanzen, Tieren oder Gegenständen. Dennoch tragen 1.201 Straßen in Leipzig Namen, die an Männer erinnern. Das entspricht einer Gesamtlänge von 602 Kilometern bei insgesamt 1.770 Straßenkilometern.
Noch deutlicher wird das Ungleichgewicht bei weiblichen Namensgeberinnen: Von 119 weiblich gelesenen Straßennamen erinnern nur 56 an tatsächlich existierende und historisch bekannte Frauen. Das entspricht lediglich 1,76 Prozent aller Leipziger Straßen. Beispiele hierfür sind die Liselotte-Herrmann-Straße (kommunistische Widerstandskämpferin), die Sophie-Scholl-Straße (Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus), die Clara-Zetkin-Straße (kommunistische Politikerin und Frauenrechtlerin) oder der Philippine-Arndt-Weg, der an die Leipziger Künstlerin und Frauenrechtlerin erinnert.
Straßennamen prägen durch ihre alltägliche Präsenz das kollektive Gedächtnis und die Identität einer Stadt. Auch der Deutsche Städtetag weist darauf hin, dass Straßennamen gesellschaftliche Werte und historische Deutungen vermitteln. Die deutliche Überrepräsentation männlicher Persönlichkeiten im Straßenbild verweist daher auf historisch gewachsene gesellschaftliche Machtverhältnisse und patriarchale Strukturen. Die Frage, wer im öffentlichen Raum sichtbar wird, bleibt damit ein gesellschaftlich umkämpftes Thema.
