Die umstrittene Biologin Mathilda Huss hat am Freitag beim Freiberger Forum e.V. einen Vortrag über rassistische Gen-Theorien gehalten. Der Verein lädt regelmäßig Personen der rechten Szene zu Veranstaltungen ein. Die Stadt stellt dabei nicht nur ihre Räumlichkeiten zur Verfügung – sie wirbt auch dafür.
Unter dem Titel „Die hereditäre Wende“ hat die umstrittene Biologin Mathilda Huss am vergangenen Freitag einen Vortrag über Genetik in Freiberg gehalten. Eingeladen wurde sie vom Verein „Freiberger Forum“. Dort werden regelmäßig Personen der rechten Szene eingeladen. Huss ist als Gastgeberin des Potsdamer Geheimtreffens bekannt geworden. Dort wurde die massenhafte Vertreibung von Menschen mit Migrationsgeschichte geplant, wie eine Recherche von Correctiv zeigte.
Stadt bewirbt Veranstaltung auf Website
Die Veranstaltung fand im städtischen Festsaal statt. Doch nicht nur die Räumlichkeiten werden zur Verfügung gestellt – auf der Website der Stadt wird die Veranstaltung auch beworben:
Der Mainstream bewertet die Theorie der promovierten Biologin als „krude“ oder „dubios“ und stellt den Zusammenhang zu „Rassenideologien“ her. Sie selbst steht für „freie Rede“ und „cancel science“ und sieht sich auf der kritischen Seite, wenn es um die aktuelle Energie- und Klimapolitik oder das Thema „Impfen“ geht.
Dass Huss rassenideologische Positionen vertritt, die als Grundlage für Rassismus gelten, scheint für die Stadt Freiberg keine Rolle zu spielen. Obwohl in den Richtlinien der Website ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass Veranstaltungen mit rassistischen Inhalten nicht gefördert oder erlaubt werden. Auf Nachfrage erhielten wir dazu keine Stellungnahme der Stadt.

Schloss in Reinsberg als Kaderschmiede für Rechte?
Huss hat 2021 ein baufälliges Schloss in der Gemeinde Reinsberg bei Freiberg gekauft. Dort plant sie ein wissenschaftliches Begegnungszentrum mit Restaurant, Schulungen und privatem Wohnen. Soll dort in Zukunft AfD-Nachwuchs ausgebildet werden?
Bei dem Vortrag in Freiberg gab sie bekannt, dass die Correctiv-Recherche ihre Pläne von einem internationalen Sommercamp über den Haufen geworfen habe. Denn die negative Berichterstattung habe auch ihre befreundeten Kollegen der Universitäten in Cambridge und Australien erreicht. Auch Vorverträge mit Mietern seien wieder aufgelöst worden. Dennoch: „Die Bauarbeiten laufen“, erklärt sie am Freitag in Freiberg. Jetzt plane sie das private Wohnen zu erweitern, da das Schulungszentrum nicht mehr wie geplant umzusetzen sei.
Auf Nachfragen aus dem Publikum bezeichnete sie das Treffen in Potsdam als „harmlos“. Martin Sellner habe sie angeblich nicht eingeladen, sie halte nichts von der Neuen Rechten: „Ich bin rechts, aber nicht neurechts.“
Rassenideologie als Pseudowissenschaft
Gleichzeitig erklärte sie, dass sie zu dem Treffen sogenannte „Race Realists“ eingeladen habe. Diese vertreten – ebenso wie sie selbst – die pseudowissenschaftliche These, dass menschliche „Rassen“ biologisch existierten und sich grundlegend in Intelligenz, Verhalten und Fähigkeiten unterschieden. Diese Ideologie dient häufig dazu, Rassismus, Segregation und Diskriminierung zu legitimieren.
Die moderne Wissenschaft, insbesondere Genetik und Anthropologie, weist diese Annahmen jedoch zurück und betont, dass „Rasse“ kein biologisches, sondern ein soziales Konstrukt ist.
