Drohung gegen Jugendeinrichtung in Glauchau
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Rechtsextreme Bedrohung von Jugendeinrichtung in Glauchau

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Rechtsextreme Sticker bedrohen eine Jugendeinrichtung und eine Konzertgruppe in Glauchau. Die Betroffenen sehen darin nicht nur einen Angriff auf sich selbst, sondern auf die solidarische Stadtgesellschaft insgesamt.

In Glauchau im Landkreis Zwickau sind rechtsextreme Sticker aufgetaucht, die eine konkrete Drohung gegen ein Gebäude einer Jugendeinrichtung sowie einer Konzertgruppe darstellen. Darauf zu sehen sind neben nationalsozialistischen Symbolen auch Bezüge zum NSU und der Schriftzug: “Wir kommen wieder.”

Ziel der Drohung ist offenbar ein Gebäude der Diakonie Westsachsen – es ist auf dem Sticker im Fadenkreuz zu sehen. Darin findet die soziale Arbeit der Jugendeinrichtung H2, aber auch Konzerte des Café Taktlos statt. Nach Angaben eines eines Ehrenamtlichen1 der Konzertgruppe Café Taktlos tauchten die Sticker das erste Mal in der Zeit um Weihnachten im Innenstadtbereich auf – angebracht an Laternen, Schildmasten und Mülleimern.

Die Konzertgruppe des Café Taktlos zeigt sich alarmiert und ruft über Instagram zu Solidarität auf. “Solche offenen Anfeindungen gab es in den vergangenen 15 Jahren nicht mehr”, erklärt einer der Mitarbeitenden gegenüber KATAPULT. “In Zeiten der Baseballschlägerjahre sah das natürlich völlig anders aus.”

Solche offenen Anfeindungen gab es in den vergangenen 15 Jahren nicht mehr.

Konzertgruppe des Café Taktlos

Das H2 gilt in Glauchau als eines der letzten offenen Freizeitangebote für Jugendliche. „Entgegen verbreiteter Annahmen handelt es sich um ein unpolitisches und niedrigschwelliges Angebot für alle, die Gemeinschaft suchen”, heißt es seitens des Café Taktlos. In dem Gebäude, das auf dem Sticker zu sehen ist, findet außerdem die Suchtberatung, Familien- und Jugendhilfe der Diakonie statt. Regelmäßig werden auch Konzerte veranstaltet, organisiert vom Café Taktlos

Die Drohung richtet sich damit nicht nur gegen einen Jugendtreff. “Es wird außerdem die ehrenamtliche Arbeit der Konzertgruppe des Café Taktlos bedroht, die Mitarbeiter:innen der Diakonie, ihre Klient:innen, die solidarische Gesellschaft insgesamt und die Kirche, zu welcher die Diakonie gehört”, betont die Konzertgruppe.

Zunehmende Präsenz rechtsradikaler Gruppen

Bereits seit längerer Zeit würde man in Glauchau eine zunehmende Präsenz rechtsradikaler Gruppen beobachten, heißt es in dem Beitrag auf Instagram. Generell gebe es in Ostdeutschland ein strukturelles Problem in Bezug auf die Akzeptanz rechter oder rechtsradikaler Einstellungen. Glauchau sei da keine Ausnahme.

“Wir finden im Stadtbild immer häufiger fremdenfeindliche, nationalistische und rechtsextremistische Aufkleber oder Graffitis.“ Auch das Auftreten von Jugendlichen, die eindeutig dem rechten Spektrum zuzuordnen seien, nehme zu. “Die Akzeptanz bezüglich dieser Botschaften nimmt zu, eine öffentliche Ablehnung gibt es nur bedingt”, kritisiert die Konzertgruppe.

Die Akzeptanz bezüglich dieser Botschaften nimmt zu, eine öffentliche Ablehnung gibt es nur bedingt.

Konzertgruppe des Café Taktlos

Wie reagiert also die Stadt auf die Sticker? Auf Nachfrage von KATAPULT Sachsen heißt es: “Die Bedrohung dieser Einrichtung ist nicht hinnehmbar. Wir hoffen, dass die Polizei die Täter ermitteln kann.” Außerdem stehe die Stadt mit dem Träger und der Leitung der Einrichtung in Kontakt.

Dennoch: Das Café Taktlos erhofft sich mehr finanzielle und strukturelle Unterstützung von der Stadt- und Landespolitik. “In Glauchau werden Gelder für Biermärkte, Stadtfeste oder Sternennächte für die lokalen Unternehmer ausgegeben”, kritisieren sie. “Das Geld mag in die lokalen Einzelhändler fließen, diese ziehen aber aus den kurzfristigen und spontanen Aktionen kaum Nutzen. Eine Investition in unsere Jugend ist eine Investition in die Zukunft.”

  1. Die Person möchte aus Sicherheitsgründen anonym bleiben. ↩︎

Autor:in

  • Redakteurin

    Aufgewachsen in Bayern, vor 10 Jahren zum Studieren in den wilden Osten (Chemnitz) gezogen und will Sachsen seitdem nicht mehr verlassen.

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