Der E-Auto-Boom geht auch an Sachsen nicht spurlos vorbei. Ein Blick auf das Ladenetz und die Kosten im Freistaat.
740 Kilometer mit einer einzigen Batterieladung. Diesen Wert erreichte kürzlich der aktuelle Rekordhalter im ADAC-Ecotest. Der Automobilclub misst laufend Elektroautos unter realitätsnahen Bedingungen. Der Trend ist eindeutig: Die Reichweite der Autos steigt seit Jahren.
Auch die Nachfrage wächst kontinuierlich. Im Freistaat wurden allein von Januar bis Juli 2025 insgesamt 6.677 E-Autos neu zugelassen – ein Plus von mehr als 2.500 Fahrzeugen im Vergleich zur ersten Hälfte des Vorjahres. Doch steigende Reichweiten und technische Fortschritte sind nur ein Teil des Ganzen. Entscheidend ist, ob Sachsens Infrastruktur fähig ist, mit diesem Boom mitzuhalten.

Verfügbare Ladepunkte
Sachsen hat in den vergangenen Jahren beim Ausbau der Ladeinfrastruktur stark aufgeholt. Über 7.000 Ladepunkte sind im Freistaat inzwischen in Betrieb. Vor allem in den Ballungsräumen ist das Netz vergleichsweise dicht: Wer in Leipzig oder Dresden unterwegs ist, hat gute Chancen innerhalb von wenigen Minuten eine Säule zu finden. Beide Städte zählen inzwischen jeweils über 1.000 öffentliche Anschlüsse.
Anders sieht es in vielen ländlichen Regionen aus. Hier ist das Angebot dünner und oftmals schlechter erreichbar. Für Pendler:innen oder Menschen ohne private Ladestation wird das schnell zum Problem. Die Landkreise Nordsachsen und Görlitz kommen jeweils auf nicht mal 300 Ladepunkte. Auch der Vogtlandkreis schneidet mit gerade einmal 305 öffentlichen Ladeoptionen schlecht ab.
Im letzten bundesweiten Laderanking des Verbands der Automobilindustrie belegte Sachsen unter den sogenannten „T-Werten“ dennoch den dritten Platz. Diese geben an, wie viele Elektroautos sich einen Ladepunkt teilen. Im Freistaat waren das zuletzt 12,0 Autos, bundesweit lag der Schnitt bei 16,7. Nur Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen schnitten mit jeweils 11,7 knapp besser ab. Seit der Veröffentlichung des Rankings sind in Sachsen jedoch mindestens 900 öffentlichen Ladepunkte neu hinzugekommen.
Die Kosten
Der Boom der Elektromobilität ist auch eine Preisfrage. E-Autos liegen preislich nach wie vor knapp über klassischen Autos mit Verbrennungsmotoren. Die Differenz schrumpft jedoch seit Jahren. Bereits im November 2025 lag laut Branchenexpert:innen zwischen dem Durchschnittspreis von 20 beliebten E-Auto- und Verbrennermodellen lediglich eine Lücke von knapp 1.600 Euro.
Hinzu kommen die niedrigen Kosten im täglichen Gebrauch. Das Beladen eines Elektroautos kostet für eine Reichweite von 100 Kilometern – bei einem niedrigen bis mittleren Stromverbrauch – gerade einmal sechs bis acht Euro. Ein Benzin- oder Dieselmotor verbraucht auf gleicher Distanz im Schnitt etwa sechs bis acht Liter Kraftstoff. Bei durchschnittlichen Kosten von 1,80 Euro pro Liter entspricht das etwa elf bis 14 Euro pro 100 Kilometer. Wer sein E-Auto zu Hause laden kann, spart sogar noch mehr: Dort belaufen sich die Kosten im Normalfall auf unter sechs Euro.

Finanzielle Förderung
Der Bund zahlt seit Mai 2026 eine höhere Kaufprämie für neue E-Autos. Je nach Fahrzeugtyp, Einkommen und Kinderzahl bis zu 6.000 Euro. Anträge laufen digital über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Drei Milliarden Euro hat der Bund für das Programm eingeplant, verteilt auf drei Jahre. Damit sollen rund 800.000 Fahrzeuge gefördert werden.
Wie erfolgreich das Modell in der Praxis sein kann, zeigt Norwegen. Dort wurden E-Autos mit einem Preis von bis zu 500.000 Kronen (umgerechnet etwa 45.000 Euro) bis vor kurzem komplett von der Mehrwertsteuer befreit. Ab dem ersten Januar wurde die Obergrenze vorerst auf 300.000 Kronen gesenkt, ab 2027 soll die Förderung dann gänzlich entfallen. Der Grund: Der E-Auto-Anteil unter allen Neuzulassungen liegt in Norwegen inzwischen bei über 98 Prozent. Das skandinavische Land hat damit den Übergang zur Elektromobilität bereits nahezu abgeschlossen.
In Deutschland kann man von solchen Quoten bis dato nur träumen. Zukünftige Förderetats, die auch nach 2029 den E-Autokauf hierzulande erleichtern können, wurden noch nicht näher bestimmt.
