Am Wochenende findet in Leipzig das „Till Fest“ statt. Vor dem Völkerschlachtdenkmal sollen der Sänger Till Lindemann und seine Band „Rammstein“ zwei Konzerte spielen. Trotz massiver Kritik werden zehntausende Besucher:innen erwartet.
Unter dem Motto „Kein Applaus für Lindemann“ demonstrierten am Donnerstagabend viele junge Menschen in der Leipziger Innenstadt. Anlass ist das Till Fest, das am Wochenende vor dem Völkerschlachtdenkmal stattfindet. Die Konzerte am Freitag und Samstag sollen zehntausende Besucher:innen anlocken. Für den Frontsänger der Band „Rammstein“, Till Lindemann, ist es ein Heimspiel – er selbst kommt aus Leipzig und gibt immer wieder große Konzerte in der Arena.
Schwere Vorwürfe sexualisierter Gewalt
Seit 2023 werden seine Auftritte jedoch von Protesten begleitet. Damals traten mehrere Frauen an die Öffentlichkeit und gaben an, durch Lindemann schwere sexualisierte Gewalt erfahren zu haben. Sie berichteten übereinstimmend von ähnlichen Erlebnissen: Auf Konzerten seien sie mit K.-o.-Tropfen betäubt und anschließend von ihm missbraucht und vergewaltigt worden. Die gegen ihn eingeleiteten Ermittlungen wurden jedoch nach wenigen Wochen aufgrund mangelnder Beweislage eingestellt.
Lindemann gilt somit juristisch als unschuldig. Dennoch steht die Frage im Raum, ob er seine Macht gegenüber seinen Fans missbraucht haben könnte, um junge Frauen systematisch für sexuelle Kontakte zu gewinnen.
Für Lea, die die Demonstration mit organisiert hat. spielt die juristische Entscheidung keine Rolle. Sie fordert Konsequenzen für den Frontsänger: „Statt aus dem öffentlichen Leben verbannt zu sein, steht Till Lindemann nun also schon zu seiner zweiten Welttournee auf der Bühne und lässt sich weiterhin von seinen Fans feiern.“ Seitens der Stadt hätte sie sich gewünscht, das Fest nicht zu genehmigen und klar Stellung zu beziehen. „Aber sie bewerben es ganz groß auf ihrer Website.“
Gegen die Veranstaltung wehrt sich auch die Leipzigerin Katrin Lehmann. Sie hat bereits vor mehreren Monaten eine Petition gestartet, um das Till Fest zu untersagen – „wegen erhöhter Gefahren für FLINTA*, Sicherheitsrisiken, Lärm, Umweltschäden und Anwohner:innenbelastung“. Doch damit hatte sie keinen Erfolg – die Stadt hält an der Veranstaltung fest, wenngleich Oberbürgermeister Burkhard Jung am Mittwoch im Stadtrat anmerkte, dass der Standort für Konzerte jeglicher Art ungeeignet sei.
Stiftung Völkerschlachtdenkmal distanziert sich von Konzert
Das Völkerschlachtdenkmal trägt in Leipzig eine historische Bedeutung als Mahnmal für den Frieden. Die Stiftung Völkerschlachtdenkmal hat sich bereits öffentlich von der Veranstaltung distanziert. Das Konzert würde aufgrund der Dauer, der Besucherzahl und der Aufbauzeit den Zugang zum Denkmal erschweren und für erhebliche Einnahmeverluste sowie Müllprobleme sorgen. „Zudem sehen wir es kritisch, wenn Künstler, die in der Öffentlichkeit stark polarisieren und in ihrer Musik zumindest mit der Aura sexualisierter Gewalt und Kriegsverherrlichung spielen, nahe an einem Ort auftreten, der der Erinnerung an Krieg und Leid sowie dem Bemühen um Frieden in Europa gewidmet ist“, heißt es seitens der Stiftung.
Da sich die Konzertfläche jedoch außerhalb des Stiftungsgeländes befindet, hat sie keinen Einfluss auf die Veranstaltung. Auf die Kritik der Stiftung sei die Stadt nicht weiter eingegangen. Auch KATAPULT Sachsen hat bis zum Redaktionsschluss keine Stellungnahme der Stadt Leipzig erhalten.
