Eine Karte Sachsens zeigt, wo die AfD gemeinsam mit anderen Parteien für die Beflaggung öffentlicher Gebäude gestimmt hat.
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Tradwives und Deutschlandfahnen – rechtsextremer Kulturkampf in Sachsen

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Ob auf TikTok, im Boxring oder im Stadtrat – der Kulturkampf von rechts wird in Sachsen immer härter ausgetragen. Eine neue Analyse des Kulturbüro Sachsen zeigt, wie rechtsextreme Akteur:innen versuchen, die kulturelle Vorherrschaft zu erlangen. 

Junge Männer im Liegestütz beim Boxtraining, im Hintergrund hängt die schwarz-rot-weiße Flagge des Deutschen Reichs. Seit einigen Jahren trainieren in sogenannten Active-Clubs junge Rechtsextreme den Straßenkampf. Sie zeigen sich betont männlich – und militant. Die Bilder verbreiten sich schnell in den sozialen Medien. Währenddessen präsentieren junge rechte Frauen ihr eigenes Bild von Weiblichkeit: Sie treten als Tradwives auf. Es ist eine scheinbar heile Welt mit traditionellen Kleidern und klassischen Rollenverteilungen – und weit weg vom modernen Feminismus. 

Rechtsextreme Szene im Jahr 2026

Es sind die Entwicklungen in der Subkultur der extremen Rechten, die die Szene anschlussfähig und attraktiv für die Generation Z machen. Das legt eine aktuelle Analyse des Kulturbüro Sachsen e.V. nahe. „Sachsen rechts unten“ heißt die Broschüre, die zeigt, wie extrem rechte Akteur:innen im Freistaat versuchen, Einfluss zu gewinnen. 

Der rechte Kulturkampf ist eine massive, reale Bedrohung für unser friedliches Zusammenleben und unsere Demokratie.“

„Der rechte Kulturkampf ist eine massive, reale Bedrohung für unser friedliches Zusammenleben und unsere Demokratie“, teilt Michael Nattke, der Geschäftsführer des Kulturbüro Sachsen, mit. Der zivilgesellschaftliche Verein beobachtet die Entwicklung der rechtsextremen Szene im Freistaat seit 2001. 

Kampf um die Köpfe, Kampf um die Parlamente 

Das Ziel der extremen Rechten, so die Autor:innen der Analyse, sei politische Macht. Um das zu erreichen, würden die Aktivist:innen vom rechten Rand immer stärker versuchen, das Denken der Menschen zu beeinflussen. Denn bevor Parteien wie die AfD Mehrheiten in Parlamenten erlangen können, gelte es, die kulturelle Vorherrschaft an sich zu reißen. Wie? Indem sie versuchen, „die Fundamente unserer liberalen und pluralistischen Demokratie zu untergraben“. Die Neue Rechte ziele darauf ab, die liberalen Moral- und Wertvorstellungen der offenen Gesellschaft ins Wanken zu bringen.

Die Delegitimierung der Menschenrechte und die Veränderung der Sprache seien demnach Etappenziele „um antiliberale und anti-egalitäre Ideen gesellschaftsfähig zu machen“.

„Kein Spaß mit Flaggen“

Der Kulturkampf findet aber nicht nur auf TikTok und Co. statt, sondern auch in der sächsischen Kommunalpolitik. Es sei erklärtes Ziel der AfD, die „Brandmauer zu stürzen“ und das erreicht sie bereits häufig auf kommunaler Ebene, stellen die Autor:innen der Analyse fest. Die kulturelle Hegemonie versucht die rechtsextreme Partei am Fahnenmast zu erkämpfen: In mehreren Landkreisen und einem Dutzend Gemeinden hat die AfD mit Anträgen zum dauerhaften Hissen von Deutschlandflaggen an Schulen und Rathäusern Erfolg erzielt. 

Der Kulturbüro Sachsen e.V. wurde im Jahr 2001 gegründet. Der Verein beobachtet die rechtsextreme Szene in Sachsen, betreibt Bildungsarbeit und bietet Beratung für betroffene Kommunen und die Zivilgesellschaft. Der Verein finanziert seine Projekte zum überwiegenden Teil aus Fördermitteln des Bundes und des Freistaat Sachsen. Die Erstellung der Analyse „Sachsen rechts unten“ wurde mit Mitteln der Amadeu-Antonio-Stiftung unterstützt.

Was wie harmlose Symbolpolitik wirkt, hat aber mehr Bedeutung, denn unterstützt wurde die AfD dabei mit den Stimmen der CDU. In anderen Fällen haben auch Vertreter:innen anderer Parteien mit der „Alternative“ kooperiert. „Das zeigt den Erfolg der AfD in ihrem Kulturkampf“, resümieren die Autor:innen des Kulturbüro Sachsen.  Die AfD schaffe es mit der Themensetzung, die anderen Parteien vor sich her zu treiben.

Rechtsextreme Medien und Kampf gegen Erinnerungskultur 

Die Analyse geht auf eine Vielzahl von Strategien der extremen Rechten ein. So geht es um die Rolle von Männlichkeitsbildern und um rechte, „alternative“ Medien wie NIUS, AUF1 und Co. Ein wichtiges Feld, auf dem der Kulturkampf ausgetragen wird, sei zudem der Kampf gegen die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus.

Eine bloße formale Abgrenzung reiche nicht aus. Es bedarf einer wehrhaften, menschenrechtsorientierten Politik.“

„Die Wirksamkeit des rechten Kulturkampfes hängt maßgeblich davon ab, ob wir als Gesellschaft seine Strategien erkennen und ihnen entschieden entgegentreten“, stellt die Referentin Solveig Höppner fest. Eine bloße formale Abgrenzung reiche nicht aus. „Es bedarf einer wehrhaften, menschenrechtsorientierten Politik und starker zivilgesellschaftlicher Bündnisse“, so Höppner. 

Die ganze Analyse ist hier zum Download verfügbar.

Autor:in

  • Tim Schulz

    Redakteur

    Wahl-Chemnitzer mit ostdeutschen Wurzeln: Seit zehn Jahren hier, halbtags beim MDR, ganztags mit trockenem Humor bewaffnet.

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