In dieser Serie stellen wir sächsische Vereine und Initiativen vor, die ein demokratisches Miteinander fördern. Heute: Die Ortsgruppe Döbeln der Omas gegen Rechts. Seit letztem Jahr mischen sie bei Demos, CSDs und Protesten gegen Rechts mit.
Bunt muss es sein – das strahlt schon der regenbogenfarbene Pullover von Donata Porstmann aus. Sie leitet seit Januar 2024 die Ortsgruppe der Omas gegen Rechts in Döbeln. An einem verregneten Augusttag trifft sich die Gruppe zum Stammtisch in einem Restaurant am Marktplatz der mittelsächsischen Kleinstadt. Sechs Frauen und ein Mann – das ist der „harte Kern“, das Organisationsteam der Gruppe. Auf der Liste stehen etwa 40 Mitglieder, aktiv sind aber nur zwischen 15 und 20.
Diese sind dafür umso motivierter. Bei 47 Demonstrationen und Veranstaltungen waren sie 2024 dabei. Ausgangspunkt war der Artikel, in dem das Recherchenetzwerk Correctiv im Januar letzten Jahres den „Geheimplan gegen Deutschland“ von AfD, Neonazis und anderen Rechtsextremen bekannt machte.1 Infolge der Veröffentlichung wurde deutschlandweit gegen Rechtsextremismus demonstriert.

„Es war das Einzige, womit ich ausdrücken konnte, wofür ich stehe“
Die Demo in Döbeln hatte Donata angemeldet. „Und ich hatte den Aufstecker Omas gegen Rechts angesteckt. Weil das das Einzige war, was ich zu dieser Zeit hatte, womit ich ausdrücken konnte, wofür ich stehe“, erinnert sich die 70-Jährige.
Die Resonanz war groß. Zwischen 200 und 300 Leute kamen zu dem Protest. „Mensch, wollen wir hier nicht so eine Gruppe gründen“, habe Donata ihre Mitstreiter gefragt – und so kam es auch: „Am Ende der Demonstration haben wir dann offiziell gesagt: Wir gründen heute die Omas gegen Rechts-Gruppe Döbeln.“ Schon eine Woche später – noch im Januar 2024 – fand das erste Treffen statt.
Regenbogenfahnen und Kuchen
Die Liste von CSDs und Demonstrationen, der sich die Ortsgruppe angeschlossen hat, ist lang. Donata ist eine der Wenigen, die bereits in Rente ist. Bei dem Planungstreffen im August wird klar: Es gibt mittlerweile zu viele CSDs, um bei allen dabei zu sein. „Wir müssen selektieren. Wenn, dann gehen wir lieber in Masse“, heißt es. Diskutiert wird beim Stammtisch vor allem der für den 20. September geplante CSD in Döbeln. Wer ist dabei? Wer hält eine Rede? Welche Regenbogenflagge wird bestellt? Wer backt einen Kuchen?

Über Monate fuhren sie wöchentlich zu den „Montagsspaziergängen“ in das nahegelegene Waldheim.2 „Wir versuchen einfach, uns gegenseitig zu stützen und Halt zu geben“, sagt Donata. Ob es in Döbeln schwieriger sei, dagegenzuhalten, als in der Großstadt? Donata überlegt. „Ich glaube, die haben es genauso schwer, nur die Größenverhältnisse sind anders“, sagt sie. Und: Sie wollen nicht als Opfer dargestellt werden. „Wir tun, was wir können.“
Doch nicht nur „bunte“ Themen werden besprochen. Die Gruppe beobachtet auch lokale Entwicklungen der Rechten. Im Döbelner Stadtrat sitzt Stefan Trautmann – ein mehrfach vorbestrafter Neonazi. Früher war er für die NPD aktiv, jetzt für die extrem rechte Partei Freie Sachsen. Im Vorfeld des CSDs 2024 hat Trautmann gemeinsam mit einem weiteren Kommunalpolitiker der AfD, Philipp Obst, Buttersäure auf der Route versprüht.3 Beide wurden inzwischen zu einer Geldstrafe verurteilt.4
Doch auch die Verbreitung rechter Symboliken im öffentlichen Raum wird besprochen. Oder: Welche Immobilien Rechte in der Gegend besitzen oder vereinnahmen .

Angriffe und Gefahren
Die „Omas“ kennen die Gefahr, die von den Rechten ausgeht. Körperliche Angriffe gab es bisher nicht, juristische Auseinandersetzungen aber schon. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hatte zuletzt die politische Neutralität und somit auch die Förderung des Vereins Omas gegen Rechts Deutschland in Frage gestellt.5 „Wir sind vorsichtig“, sagt Donata. Ein Mitglied der Döbelner Ortsgruppe berichtet, dass ihr Seitenspiegel immer wieder abgerissen wird. Die Polizei habe ihr gesagt, sie solle ihn „einfach direkt ablassen und nur beim TÜV ranmachen“.
Auch im privaten Umfeld erlebten sie, dass Menschen sich abwenden. „Es gibt Menschen, für die ich nicht mehr existent bin“, sagt Donata. Bei der Bundestagswahl im Februar wählten in Döbeln 45 Prozent die AfD.6 Wenn Handwerker oder Fensterputzer ins Haus kommen, lässt Donata sie nicht in das „Oma-Zimmer“ – „man weiß ja nie“, sagt sie.
Verbale Attacken gibt es vor allem auf Facebook. Donata stört das nicht mehr. „Ich bin inzwischen stolz darauf, linksgrünversifft zu sein“, sagt sie. Die anderen stimmen lachend zu. „Angst möchte ich nicht haben“, fügt sie hinzu. Sie sei ein naiv-optimistischer Mensch. „Ich versuche immer zu sehen, wie viele tolle, intelligente, engagierte Menschen es gibt, die sich für Demokratie einsetzen.“ Dem Negativen möchte sie nicht so viel Raum geben. „Alles, dem ich Raum gebe, verstärkt sich. Und wenn ich dem Positiven Raum gebe, dann verstärkt sich das. Das ist meine Lebenshaltung.“
- Correctiv: Geheimplan gegen Deutschland, auf correctiv.org (10.01.2024). ↩︎
- Tagesschau: Für Freiheit im Leben und Denken, auf tagesschau.de (13.02.2024). ↩︎
- Mitteldeutscher Rundfunk: Rechtsextremist soll Buttersäure auf CSD-Route in Döbeln versprüht haben, auf mdr.de. (22.9.2024) ↩︎
- Robak, Steffi: Buttersäure in Döbeln: Trautmann hatte Hilfe von AfD-Mann, auf dnn.de (07.08.2025). ↩︎
- Tagesschau: „Wir waren sprachlos und sauer“, auf www.tagesschau.de (06.03.2025). ↩︎
- Wahlergebnisse, auf sachsen.de. ↩︎
