Beim Ausbau erneuerbarer Energien hängt Sachsen ziemlich hinterher, obwohl der Freistaat Potential hat: Sachsens Wirtschaft könnte nicht nur klimaneutral werden, sondern damit hunderte Millionen Euro verdienen, wie zwei aktuelle Studien zeigen.
2024 deckte Sachsen gut 27 Prozent seines Stromverbrauchs mit erneuerbaren Energien. Im Bundesdurchschnitt ist der Anteil an Ökostrom mit gut 54 Prozent rund doppelt so hoch.
Dabei könnte sich die Wertschöpfung durch die Produktion erneuerbarer Energien in Sachsen bis 2033 verdreifachen. Das zeigt eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung und des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung. Die 90 Millionen Euro, die 2023 in Sachsen mit regenerativen Energien erwirtschaftet wurden, könnten demnach jährlich auf 244 Millionen Euro ansteigen.
Wirtschaftswachstum durch Ökostrom
Im Landkreis Mittelsachsen wurden im Jahr 2023 zwölf Millionen Euro mit Ökostrom erwirtschaftet. Bis 2033 könnten die jährlichen Gewinne laut den Forscher:innen auf 35 Millionen Euro steigen. Im Landkreis Leipzig könnte die Branche von 10 auf 25 Millionen Euro wachsen. Die Voraussetzung: Sachsen erreicht die Ausbauziele der Bundesregierung für Wind- und Solaranlagen.
Die Produktion erneuerbarer Energien fülle nicht nur die oftmals klammen Gemeindekassen, sondern schaffe auch Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen. Die Betreiber:innen der Anlagen können mit sinkenden Stromkosten rechnen und den Kommunen winken Gewinnbeteiligungen und Pachteinnahmen.

Gewinne müssen in ländlichen Regionen bleiben
Allerdings fließe aktuell viel Geld aus den Gemeinden zu Investoren außerhalb der Regionen. „Finanzielle Beteiligungsmodelle, Bürger-Energiegesellschaften und kommunale Investitionen könnten dafür sorgen, dass mehr Wertschöpfung vor Ort bleibt und mehr Anwohner:innen von der Energiewende profitieren”, gibt Steven Salecki, Volkswirt und Co-Autor der Studie zu bedenken.
Um den Ausbau von Wind- und Solarenergie voranzutreiben, empfehlen er und seine Kolleg:innen, Ökoenergie-Projekte stärker in den Fokus der Förderprogramme von Bund und Ländern zu rücken, vor allem für finanzschwache Regionen.
In Sachsen gibt es vor allem Wachstumspotenzial bei der Windkraft: Im Bundesdurchschnitt kommt etwa ein Viertel des Stroms aus Windenergie. In Sachsen sind es nur knapp unter 10 Prozent. Die Genehmigung und der Bau neuer Windkraftwerke laufen im Freistaat seit Jahren sehr schleppend – auch weil sich in den Gemeinden immer wieder Widerstand regt.
Klimaneutrale Wirtschaft mit Hürden
Vom Ausbau der Ökostrom-Produktion könnten auch andere Branchen im Freistaat profitieren, denn die Technologien für eine klimaneutrale Wirtschaft sind bereits vorhanden. Das zeigt eine Studie der Sächsischen Energieagentur: „Die Dekarbonisierung der sächsischen Wirtschaft ist technisch möglich, aber wirtschaftlich, regulatorisch und infrastrukturell mit Hürden verbunden.”
„Die Dekarbonisierung der sächsischen Wirtschaft ist technisch möglich, aber wirtschaftlich, regulatorisch und infrastrukturell mit Hürden verbunden.”
Die Studienautor:innen haben 19 verschiedene Branchen untersucht – von der Fleischerei bis zum Maschinenbau. Um Sachsens Wirtschaft zu dekarbonisieren, also CO₂-neutral zu machen, gebe es viele Optionen. Wärmepumpen zum Beheizen von Geschäftsräumen zum Beispiel, oder Solaranlagen, mit denen Maschinen und elektrische Lieferwagen betrieben werden können.
Allerdings hapere es an der Umsetzung. Im Weg stehen nicht nur begrenzte Kapazitäten – etwa im Stromnetz –, sondern auch die Bürokratie mit langwierigen Planungs- und Genehmigungsprozessen.

Teure, ökologische Technologien, billiger fossiler Strom
Zudem bedeute die Umstellung auf nicht-fossile Energie auch einen finanziellen Aufwand und umweltfreundliche Technologien seien im Moment zum Teil noch teurer als Alternativen mit Öl, Gas und Co. In Branchen wie der chemischen Industrie, die viel Energie benötigen, mangele es zudem an den ausreichenden Mengen alternativer Energieträger wie Wasserstoff oder Biogas.
Wie schnell die sächsische Wirtschaft klimaneutral werde, hängt laut den Forscher:innen vom Aufbau der nötigen Infrastruktur ab, etwa beim Netzausbau für Strom oder Fernwärme.