Am 31. Oktober sind in mehr als 30 deutschen Städten tausende junge Menschen auf die Straße gegangen. Sie protestieren gegen die Wehrpflicht und Aufrüstung – und fordern eine Politik, die ihre Zukunft stärker berücksichtigt.
Es waren Bilder von Chaos und Gewalt, die Medien im Vorfeld der Demonstrationen zeichneten. Fotos von verbarrikadierten Schaufenstern machten die Runde. Es wurde vor Zuständen wie in Frankreich gewarnt.
Am Samstagabend zeigte sich ein anderes Bild: Die meisten Proteste verliefen friedlich. Auch in Chemnitz, Leipzig und Dresden blieb es weitgehend ruhig. Die vielerorts verbreiteten Warnungen vor gewaltsamen Eskalationen bestätigten sich im Freistaat nicht.

Mehr als Protest gegen die Wehrpflicht
Das Bündnis richtet seinen Protest nicht nur gegen die Wehrpflicht, sondern auch gegen die Bedingungen, unter denen junge Menschen aufwachsen. Es kritisiert marode Schulen und Kürzungen in den Bereichen Bildung, Soziales, Kultur und Gesundheit. Wie groß der Investitionsbedarf ist, zeigt der kommunale Sanierungsstau bei Schulgebäuden: Er belief sich 2025 bundesweit auf rund 68 Milliarden Euro. Auch Psychotherapieplätze seien für viele kaum erreichbar. Steigende Preise, hohe Wohnkosten und soziale Ungleichheit verschärften die Situation zusätzlich. Das Bündnis fordert deshalb mehr Investitionen in Bildung und soziale Infrastruktur sowie Maßnahmen für ein bezahlbares Leben.
Damit verbunden ist die Kritik daran, welche politischen Prioritäten gesetzt werden. Während soziale Angebote gekürzt werden, erhielten Großkonzerne weiterhin finanzielle Vorteile und die Ausgaben für Verteidigung stiegen, heißt es im Positionspapier des Bündnisses. Für 2027 ist ein Rekordetat von rund 110 Milliarden Euro für Verteidigung vorgesehen. Auch die Wehrpflicht ordnet das Bündnis in diese Kritik ein: Junge Menschen sollten für Kriege ausgebildet werden, über die sie selbst nicht mitentscheiden könnten. Darüber hinaus fordert die Initiative, den Ausbau staatlicher Überwachung zu stoppen und den Klimaschutz konsequenter voranzutreiben.
In seinem Positionspapier fordert das Bündnis deshalb eine Politik, die „in Bildung, soziale Sicherheit, Gesundheit und bezahlbares Leben investiert – statt bei der jungen Generation zu sparen”. Außerdem verlangt die Initiative, junge Menschen stärker an politischen Entscheidungen zu beteiligen, die ihre Zukunft betreffen.
Wie es jetzt weitergeht
Kaum waren die Proteste vorbei, richtete sich der Blick bereits auf die nächsten Demonstrationen – und auf die Frage, ob sie überhaupt stattfinden dürfen. Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) stellte angesichts der vereinzelten Ausschreitungen infrage, ob die für den 20. November angekündigten Proteste stattfinden sollten, und brachte ein mögliches Verbot ins Spiel. Andere Politikerinnen und Politiker warnten davor, die Gewalt einzelner Gruppen zum Maßstab für die gesamte Bewegung zu machen. Auch das Bündnis distanzierte sich von den Ausschreitungen in Frankfurt. Diese hatten sich erst mehrere Stunden nach dem Ende der Demonstration ereignet.
An den Protestplänen hält die Initiative bislang fest. Am 20. November will sich „Gen Z regelt” erneut an Demonstrationen beteiligen – diesmal im Rahmen eines europaweiten Jugendstreiks gegen Militarisierung und Wehrpflicht. Ob und in welchen Städten die Demonstrationen in Deutschland stattfinden werden, ist bislang noch unklar.
