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Getrübter Badespaß: Chemikalien in Sachsens Badeseen

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Die Behörden in Sachsen verweisen regelmäßig auf die gute Wasserqualität der Badeseen im Bundesland. Doch eine Recherche von Correctiv.Europe und KATAPULT Sachsen zeigt: viele der Gewässer sind mit Schadstoffen belastet. 

Der Filzteich ist einer der beliebtesten Badeorte im Erzgebirge. Der Betreiber des Strandbads am 23 Hektar großen See wirbt auf seiner Website mit Wasserrutschen, Sandstrand und Abenteuerspielplatz.

Zudem könne „man davon ausgehen, dass ein Bad im Filzteich der Gesundheit nur allzu dienlich ist”, heißt es dort. Eine aktuelle Recherche des Mediennetzwerks Correctiv.Europe zeichnet jedoch ein anderes Bild. Demnach ist der See seit Jahren mit gesundheitsschädlichen Chemikalien belastet, darunter die sogenannten „Ewigkeitschemikalien“, PFAS – Altlasten aus der Papierindustrie. 

Die Stadtwerke Schneeberg, Betreiber der Badestelle, gaben auf Nachfrage von Correctiv.Europe an, dass „nicht von einem gesundheitlichem Risiko ausgegangen” werde, da die PFAS-Messwerte unter den vom Umweltbundesamt empfohlenen Richtwerten liegen. 

Knapp ein Drittel der Badeseen mit Schadstoffen belastet 

Der Filzteich ist kein Einzelfall. Zehn der 32 offiziellen Badegewässer in Sachsen weisen erhöhte Belastungen mit gesundheitsschädlichen Schadstoffen auf. Das geht aus Daten hervor, die Correctiv.Europe veröffentlicht hat. Für die übrigen 22 Badegewässer liegen keine Messwerte vor. In allen untersuchten Seen wurde mindestens ein Schadstoff oberhalb der geltenden Grenzwerte festgestellt. 

Offiziell gelten die Badestellen als sauber. Die Qualität der meisten sächsischen Gewässer wird – gemessen an der Belastung mit Krankheitserregern – als gut oder sogar ausgezeichnet bewertet. Das gilt auch für den Filzteich. Die Belastung mit gesundheits- oder umweltschädigenden Chemikalien wird bei dieser Bewertung jedoch nicht berücksichtigt. 

„Es ist unmöglich, diese Substanzen komplett zu meiden, weil sie bereits überall sind. Umso wichtiger ist es deshalb, den Kontakt mit ihnen zu minimieren.“ 

Laut Expert:innen bedeutet das jedoch nicht, dass ein einzelner Badetag automatisch eine Gefahr für die Gesundheit darstellt. Problematisch sei vielmehr, den gefährlichen Stoffen langfristig ausgesetzt zu sein, erklärt Hans-Jörg Martin, Toxikologe an der Universität Kiel. „Es ist unmöglich, diese Substanzen komplett zu vermeiden, weil sie bereits überall sind. Umso wichtiger ist es deshalb, den Kontakt mit ihnen zu minimieren.“

Schwermetalle, Pestizide, Ewigkeitschemikalien

Zu den häufig nachgewiesenen Rückständen über den Grenzwerten zählen neben PFAS auch Schwermetalle und Pestizide. So wurden im Ammelshainer See, einem bei den Leipziger:innen beliebten Ausflugsziel, Rückstände von Quecksilber- und Nickelverbindungen gefunden. In der Talsperre Pöhl im Vogtland wurden neben PFAS auch Rückstände eines Flammschutzmittels nachgewiesen. In Proben aus dem ostsächsischen Olbasee wurden die Grenzwerte für die hochgiftigen Schwermetalle Cadmium und Quecksilber überschritten.

Europaweit wurden an 7.866 der untersuchten 22.289 Badegewässer erhöhte Konzentrationen chemischer Schadstoffe festgestellt. Wissenschaftler:innen fordern deshalb eine stärkere Überwachung, vor allem in der Nähe von Hotspots wie ehemaligen Industriestandorten. 

Hans-Jörg Martin sieht in der mangelhaften Überwachung der Grenzwerte eine Schwäche der aktuellen EU-Richtlinie. „Wenn wir von schädlichen Stoffen wissen, die ein Risiko für die menschliche Gesundheit darstellen können, sollten wir uns das genauer ansehen.” Eine Anfrage von KATAPULT Sachsen zum Monitoring von Schadstoffen an das sächsische Landesumweltamt blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. 

Hinzu kommt: Viele Gewässer werden gar nicht untersucht, da sie nicht als offizielle Badestellen ausgewiesen sind. Die sogenannten wilden Badestellen werden nur stichprobenartig kontrolliert. Dabei werden häufig erhöhte Bakterien- und Algenbelastungen festgestellt.

Mehr zur Recherche von Correctiv findet ihr hier. 

Autor:in

  • Tim Schulz

    Redakteur

    Wahl-Chemnitzer mit ostdeutschen Wurzeln - und trockenem Humor bewaffnet.

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