Der Klimawandel sorgt dafür, dass es auch in Sachsen immer trockener wird. Das hat negative Folgen für die Landwirtschaft, die Trinkwasserversorgung und die Industrie. Das Sächsische Umweltministerium hat das Thema deshalb ganz oben auf seine Agenda gesetzt. Die Opposition kritisiert jedoch, dass zu wenig und zu spät getan werde. Derweil könnte ein geplantes Großprojekt den Konflikt ums Wasser weiter anfachen.
Anfang Mai tagte die Umweltministerkonferenz in Leipzig. Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU), Sachsens Umweltminister, und seine 16 Amtskolleg:innen hatten sich viel vorgenommen. Es ging um die europäische Zusammenarbeit in der Klimapolitik, die Bekämpfung von Umweltkriminalität, Recycling und den Umgang mit Walstrandungen. Ein Thema stach aber heraus: Wasser. Genauer gesagt: der Mangel an Wasser.
„Der Umgang mit dieser wichtigen Ressource ist eine Zukunftsaufgabe, die uns alle betrifft und die wir nur mit gemeinsamer Kraft meistern können“, erklärte von Breitenbuch nach dem Spitzentreffen. Dass dieses Thema ganz oben auf der Tagesordnung steht, ist angesichts der massiven Dürreperioden der vergangenen Jahre in Deutschland nicht überraschend.

Trockenheit schon jetzt spürbar
Auch Sachsen ist von der Trockenheit betroffen. Der Norden und Osten des Freistaats gehören zu den Regionen in Deutschland, die bereits jetzt die Folgen des Klimawandels spüren. Das zeigen Daten des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung: Bis auf wenige Gebiete sind die Böden in Sachsen Anfang Juli stark ausgetrocknet. Vor allem das Osterzgebirge, die Lausitz und der gesamte Norden – einschließlich Leipzig – sind so ausgedörrt wie statistisch betrachtet nur alle 20 Jahre
Zudem führen die Flüsse in Sachsen immer weniger Wasser. Auf der Elbe musste die Binnenschifffahrt wiederholt eingeschränkt oder sogar gestoppt werden, da der Wasserstand zu niedrig war. Zwar schwankt der Pegel saisonal, doch Niedrigwasser werde zur „neuen Realität“, erklärte zuletzt Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen. Die Umweltschutzorganisation hat amtliche Daten zur Tiefe der Fahrrinne im sächsischen Teil des Stroms ausgewertet. Demnach habe der Fluss 2025 zehn Monate lang so tiefe Pegelstände wie gewöhnlich im Hochsommer erreicht. Selbst in den nassen Wintermonaten sei der „chronische Wassermangel“ messbar gewesen.
Besonders brisant: Der Grundwasserspiegel verändert sich vielerorts in Sachsen. So unterschritten etwa 85 Prozent der insgesamt 313 vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie betriebenen Messstellen Mitte Juli 2026 den für diesen Monat typischen Medianwert deutlich.
Steigende Temperaturen, mehr Verdunstung
Das Land hat in den vergangenen Jahren einige Dürren erlebt, die gravierendste davon 2018. Dabei nimmt die Niederschlagsmenge in Deutschland seit Beginn der Wetterbeobachtungen sogar leicht zu – um etwa 8 Prozent seit dem Ende des 19. Jahrhunderts.
Gleichzeitig sind die Temperaturen in Sachsen gestiegen. So stieg die Durchschnittstemperatur zwischen 1950 und 2025 von rund 8 auf 9,2 Grad Celsius. Die Zahl der Hitzetage stieg im selben Zeitraum von durchschnittlich sechs auf zehn pro Jahr an, und auch die Entwicklung der Sonnenstunden zeichnet ein ähnliches Bild.
Das Resultat: Die Verdunstung steigt und das Bundesland trocknet zunehmend aus. „Was wir […] derzeit erleben, ist eine Dürrephase, ein Extremereignis. Das kann durchaus über zehn Jahre so laufen“, sagte der Hydrologe Andreas Marx dem Mitteldeutschen Rundfunk. Auch wenn Trockenheit im Sommer normal sei, sei das Ausmaß im Osten und Süden Deutschlands ungewöhnlich.

Klimawandel macht Trockenheit zum neuen Normalzustand
Eine Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig, an dem Andreas Marx forscht, zeigt, dass sich die Situation in Zukunft noch verschärfen könnte. Das Forschungsinstitut hat die möglichen biophysikalischen Auswirkungen des Klimawandels untersucht. Das Ergebnis ist wenig überraschend: Je stärker sich die Erde erwärmt, desto mehr nehmen auch in Deutschland extreme Wetterereignisse zu. „Dürren werden länger dauern, mehr Flächen und damit mehr Menschen betreffen“, so die Studie. Laut den Wissenschaftler:innen werden extreme Dürren in weiten Teilen Europas zukünftig zum neuen Normalzustand, wenn sich die Erde um drei Grad Celsius erwärmt hat.
Dabei wird die Trockenheit nicht nur zum Problem für die Trinkwasserversorgung. Die Dürrephasen führen zu Ernteausfällen in der Landwirtschaft und zu Schäden in den Wäldern. Die niedrigen Pegelstände in den Flüssen würden zudem Millionenschäden in der Schifffahrt, der Industrie und der Energiewirtschaft verursachen – schließlich benötigen Kraftwerke Kühlwasser. So kostete die Dürre im Jahr 2003 die europäische Wirtschaft Berechnungen zufolge 8,7 Milliarden Euro.
Das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft teilt derweil mit, dass man intensiv an Maßnahmen arbeite, um Sachsen auf eine trockene Zukunft vorzubereiten. Bereits unter der schwarz-rot-grünen Koalition wurde mit dem Handlungsprogramm „Zukunft Wasser für Sachsen“ ein Masterplan beschlossen. Der Freistaat will in die öffentliche Wasserversorgung investieren. Ziel sei es, die Wasserbewirtschaftung neu zu denken, Speicher- und Verbundsysteme zu optimieren und zu erweitern. Zudem wolle man die Wasserbewirtschaftung nachhaltig steuern und Wasser effizient nutzen, so ein Sprecher des Ministeriums.

Sachsen will sich auf trockene Zukunft vorbereiten
Die Liste der Maßnahmen ist lang: Die Abwasseraufbereitung soll verbessert und das Grundwasser sowie die Seen und Flüsse sauberer gemacht werden. Das Land will Flächen erwerben, um mehr Wasser speichern zu können. Es soll sowohl auf Hoch- als auch auf Niedrigwasser vorbereitet werden. Zu diesem Zweck soll eine Webplattform Informationen über die Wassersituation bündeln. Die Entscheidungsträger:innen in Dresden wollen eigenen Aussagen zufolge „den prognostizierten Rückgang des Wasserdargebots bei gleichzeitig steigenden Anforderungen aus der Land- und Forstwirtschaft, der Industrie und der Bevölkerung“ in den Blick nehmen. Dabei sollen auch ökologische Lösungen einbezogen werden, etwa durch die Renaturierung von Flussläufen und Auen.
„Wasser hat man jahrelang als eine Selbstverständlichkeit angesehen.“
„Wasser hat man jahrelang als eine Selbstverständlichkeit angesehen. Da gibt es erst in den letzten Jahren ein spätes Umdenken“, resümiert Wolfram Günther, der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Sächsischen Landtag. Günther war von 2019 bis 2024 zudem Umweltminister Sachsens.
Das Thema habe über Jahrzehnte nur eine Rolle gespielt, wenn es zu viel Wasser gab, nicht zu wenig: Die Gefahr durch Überschwemmungen sei seit dem Hochwasser von 2002 im Bewusstsein der Politik verankert gewesen, aber Dürre und Niedrigwasser hätten kaum eine Rolle gespielt, so Günther. Die massive Dürre von 2018 habe das geändert.
Dürremonitor
Der Dürremonitor des Zentrums für Umweltforschung definiert Dürre als Abweichung von statistischen Durchschnittswerten. „Ungewöhnliche Trockenheit“ bedeutet, dass der Boden in den vergangenen 14 Tagen so trocken war, wie durchschnittlich alle drei Jahre im Zeitraum von 1951 bis 2015. „Moderate Dürre“ heißt, der Boden ist so trocken wie alle fünf Jahre. „Schwere Dürren“ traten statistisch nur alle zehn Jahre auf, „extreme Dürren“ einmal in 20 Jahren und „außergewöhnliche Dürren“ einmal in 50 Jahren.
In der Landespolitik gebe es seitdem einen langsamen Wandel im Denken. Die großen Sprünge aber seien bislang ausgeblieben, sagt der Grünen-Politiker. Das Thema sei komplex umzusetzen, schließlich betreffe es nicht nur die klassische Wasserwirtschaft, sondern auch die Land- und Forstwirtschaft und die Stadtentwicklung. Auch Renaturierungsmaßnahmen seien lange außen vor gewesen – zumindest, was deren Finanzierung betrifft.
Weniger statt mehr Geld für Gewässer?
Das sei laut dem ehemaligen Umweltminister ein zentrales Problem: Die Sparpolitik der schwarz-roten Landesregierung betreffe auch den Umweltbereich. Der amtierende Minister von Breitenbuch kündigte bereits im vergangenen Jahr an, dass es nach dem „Überschwang“ seines Amtsvorgängers nun eine Korrektur geben müsse. „Die Zeiten für Extras sind vorbei“, so von Breitenbuch. So solle unter anderem bei den Talsperren und der Instandsetzung von Gewässern gespart werden.
Das Umweltministerium plant, in den Jahren 2025 und 2026 insgesamt rund 330 Millionen einzusparen. Ein Teil der Kürzungen geht auf die neue Aufgabenverteilung zurück, denn die Bereiche Klimaschutz und Energie liegen nicht mehr in der Zuständigkeit des Umweltministeriums. Dass die Sparmaßnahmen dennoch Auswirkungen auf das Wassermanagement haben, zeigte sich zuletzt im April, als bekannt wurde, dass der Freistaat die Finanzierung von 81 Hochwasserschutzprojekten streicht.
„Klima und Umweltschutz werden nur vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit betrachtet. Es geht nur darum, ob sich Unternehmen ansiedeln.“
Auch der Landespolitiker der Linken, Stefan Hartmann, blickt skeptisch auf die sächsische Umweltpolitik. Seiner Meinung nach spielen ökologische Lösungsansätze eine untergeordnete Rolle. „Klima- und Umweltschutz werden nur vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit betrachtet. Es geht nur darum, ob sich Unternehmen ansiedeln“, so Hartmann. Ein Beispiel sei die Halbleiterindustrie im Raum Dresden. Die Branche hat einen hohen Wasserbedarf. „Hier wird eine Industriepolitik betrieben, die den Wandel noch verstärkt!“

Sachsens trockener Osten
Laut Hartmann sei eine Region besonders in Gefahr: die Lausitz. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird hier im Grenzraum zwischen Sachsen und Brandenburg im Zuge des Kohlebergbaus Grundwasser abgepumpt. Mittlerweile sind es insgesamt rund 58 Milliarden Kubikmeter – mehr als das Volumen des Bodensees. Ein großer Teil davon fließt noch in die Spree. Aber viele der Tagebaue sind mittlerweile stillgelegt. In den insgesamt 23 künstlichen Seen der Region wird Wasser zurückgehalten, das aufgrund der steigenden Temperaturen stärker verdunstet, erklärt Hartmann. Mittlerweile sinken so auch in der Spree die Pegelstände. Laut einer Studie des Umweltbundesamtes könnte der Kohleausstieg bis zum Jahr 2038, in dessen Folge weitere Tagebaue stillgelegt werden sollen, die Situation noch drastisch verschärfen.
Wasser aus der Elbe für die Spree?
Die Landesregierung prüft aktuell ein Vorhaben, das die Diskussion über das knappe Wasser weiter anheizen dürfte: die Umleitung von Wasser aus der Elbe in die Spree. Denn von Wasser der Spree hängt nicht nur die Region im Osten Sachsens, sondern auch ein erheblicher Teil der Wasserversorgung in Berlin und Brandenburg ab.
In der sächsischen Landespolitik trifft das Vorhaben auf Skepsis – sowohl im Umweltministerium als auch in der Opposition. „Die Elbumleitung halten wir für grundsätzlich falsch, denn sie verschiebt das Problem nur, anstatt es dauerhaft zu lösen“, bekräftigt Stefan Hartmann. Die niedrigen Pegelstände der Elbe sind schließlich bereits jetzt ein Problem. Andere Elbanrainer flussabwärts haben eine klare Haltung zu den Gedankenspielen in Dresden: „Sachsen-Anhalt wird sich das Wasser nicht abgraben lassen“, erklärte das Umweltministerium in Magdeburg zuletzt gegenüber der Sächsischen Zeitung.