Was können Jugendliche schon gegen den Rechtsruck tun?
Das haben sich Schüler:innen bei einem bundesweiten Kongress in Dresden gefragt. Engagierte der Schülis gegen Rechts aus ganz Deutschland haben sich dort getroffen, um Ideen zu spinnen, was sich gemeinsam gegen den erstarkenden Rechtsextremismus an Schulen unternehmen lässt.
Die U18-Wahlen waren ein Schock
Es ist ein warmer Freitagnachmittag und die Straßen Dresdens sind von der Sonne aufgeheizt. Vor den Türen des Gewerkschaftshauses versammeln sich Grüppchen von Schüler:innen. Die Stimmung ist gut und die Vorfreude auf das Wochenende ist bei den jungen Aktivist:innen spürbar.
Nika (18) und Lenny (17) kommen beide aus Sachsens Hauptstadt. Sie gehören zu den Schülis gegen Rechts. Freudig und auch ein bisschen stolz erzählen sie von den Anfängen der Schülis vor gut einem Jahr. Der große Wunsch, etwas zu verändern, sei vor allem durch den Ausgang der Europawahlen im Sommer 2024 entstanden. Die Ergebnisse der U18-Wahl hätten ihnen die Augen geöffnet.
„Dann haben wir viel von den Studis gegen Rechts mitbekommen und dachten, es wäre super wichtig, dass wir auch eine antifaschistische Schüler:innenorganisation aufbauen“, erzählt Nika. Zusammen organisierten sie ein erstes Treffen, an dem 100 Mitstreiter:innen teilnahmen, und bereits zwei Monate später – im November 2024 – folgte ihre erste eigene Demonstration. Die Projekte sind bunt gemischt, von offenen Plena, Demos bis zu Schulstreiks. Neben all diesen Veranstaltungen, die die Jugendlichen in ihrer Freizeit auf die Beine stellen, beteiligen sie sich auch an Protestaktionen anderer Aktionsbündnisse – wie des Bündnisses widersetzen.
Ungebetene Gäste von Rechtsaußen
Zurück zum Kongress nach Dresden: Die Stimmung ist zunächst ausgelassen, aber plötzlich wird es hektisch. Vor dem Gebäude tauchen eine Handvoll, teils stadtbekannte, Rechtsextreme auf. Unter ihnen ist auch Max Schreiber, ein ehemaliger NPD-Politiker, der jetzt bei den Freien Sachsen aktiv ist. Begleitet wird er vom extrem rechten Medienaktivisten und AfD-Kommunalpolitiker Sebastian Weber. Weber ist in der Szene besser bekannt als „Weichreite TV“. Er überträgt das Geschehen per Livestream an seine Follower auf seinen Kanälen in den Sozialen Medien. Die rechtsextremen Störer versuchen mehrmals in das Gebäude zu gelangen, werden aber durch die Sicherheitskräfte daran gehindert. „Das heute ist schon ein neues Level“, erklärt Lenny etwas geschockt von dem Aufruhr, der vor den Türen des Kongresses stattfindet.
Steile Lernkurve
Er und seine Mitstreiterin Nika bekommen viel Unterstützung von Freund:innen und Familie. Sie machten sich aber auch Sorgen um die Sicherheit der jungen Aktivist:innen. Nika zieht viel Kraft aus dem Gefühl, nicht alleine zu sein, erzählt sie und freut sich, gemeinsam mit den anderen etwas erreichen zu können. „Gleichzeitig muss man super viel dazulernen. Ich habe vorher noch nie einen Kongress organisiert.“ Als Bündnis haben sie feste Strukturen aufgebaut, schildert Nika. Für das Veranstaltungswochenende gibt es beispielsweise ein Awareness-Team, das deutlich erkennbar vor Ort ist und hilft. Vorfälle, wie der kurze Auftritt rechter Störer:innen, werden im Anschluss gemeinsam besprochen und aufgearbeitet.
„Es ist schön, dass wir nicht alleine sind und es gibt sehr viel Kraft, wenn man das Gefühl hat, dass man zusammen etwas erreichen kann.“ — Nika, Schülis gegen Rechts

Politik im Unterricht? Fehlanzeige!
Nach und nach füllt sich der Kongresssaal mit den schicken holzvertäfelten Wänden. Für heute soll es eine überschaubare Runde bleiben, aber am nächsten Tag erwarten die Organisator:innen 70 Teilnehmer:innen. Manche kommen von weit her, etwa aus Frankfurt am Main, andere wiederum aus dem Erzgebirge – so wie Juli, Jette und Charlotte. Dass rechtsextremes Denken an ihren Schulen zunimmt, hat ihr Interesse für antifaschistische Bündnisarbeit geweckt. Die Schulen würden sich kaum mit dem Problem beschäftigen, kritisieren die drei Schüler:innen: „Bei uns wird das gar nicht angesprochen, sondern komplett ignoriert, auch in GRW [Gemeinschaftskunde, Recht und Wirtschaft, Anm. d. A.] und Geschichte.“ Sie machen sich Sorgen, denn über die rechtsextreme Gefahr werde nicht aufgeklärt und auch Demokratiebildung spiele keine Rolle im Unterricht. Umso mehr freuen sich die drei Aktivist:innen, beim Kongress etwas dazu zu lernen.
In den Workshops geht es um strukturelle und organisatorische Fragen: Wie gründet und baut man eine Ortsgruppe auf? Wie funktioniert die Öffentlichkeitsarbeit auf Social Media? Und was tun gegen die sich immer stärker ausbreitende rechtsextreme Jugendkultur? Es werden Fähigkeiten geteilt, Kontakte ausgetauscht und mit Zuversicht auf kommende Veranstaltungen geschaut.
„Bei uns wird das gar nicht angesprochen, sondern komplett ignoriert.“ — Teilnehmerin